Wer fragt, wann eine Photovoltaikanlage am meisten produziert, bekommt fast immer die gleiche Antwort: „Im Hochsommer.“ Schaut man sich die echten Zahlen an, sieht das Bild allerdings anders aus. Der PV-Ertrag im Mai liegt in Salzburg und Tirol vielfach gleichauf mit Juli – manchmal sogar darüber. Warum das so ist, was die Statistik dazu sagt und wie du den Mai-Peak voll mitnimmst, liest du in diesem Artikel.
Inhaltsverzeichnis
- Warum der PV-Ertrag im Mai so hoch ist
- Die Solar-Statistik: Mai vs. Juli im direkten Vergleich
- Vier Faktoren, die im Mai zusammenkommen
- So holst du den Mai-Peak voll raus
- Speicher, dynamische Tarife und der Mai-Überschuss
- Vergleich mit deinem Monitoring: Wann stimmt etwas nicht?
- Fazit

Warum der PV-Ertrag im Mai so hoch ist
Der Hauptgrund ist schlicht Physik: Solarmodule verlieren Leistung, wenn sie heiß werden. Pro Grad Modultemperatur über 25 °C sinkt der Wirkungsgrad um etwa 0,4 %. An heißen Juli-Nachmittagen erreichen Module auf einem Schrägdach durchaus 60 bis 70 °C Oberflächentemperatur. Das kostet bis zu 15 % Ertrag – ausgerechnet zu der Zeit, in der die Sonne theoretisch am stärksten strahlt.
Im Mai sind die Tage schon fast so lang wie im Juni, der Sonnenstand fast so steil, die Bewölkung tendenziell geringer als im Frühherbst – aber die Lufttemperaturen liegen noch deutlich niedriger. Module bleiben kühl, der Wirkungsgrad steigt. Das Resultat: Der PV-Ertrag im Mai schlägt rein nach Energieausbeute oft den Juli, obwohl im Juli mehr Sonnenenergie auf das Dach trifft.
Die Solar-Statistik: Mai vs. Juli im direkten Vergleich
Die folgenden Werte basieren auf langjährigen PVGIS-Mittelwerten der Europäischen Kommission, gerechnet auf eine optimal süd-ausgerichtete Anlage mit 35° Dachneigung im Salzburger und Tiroler Raum:
| Monat | Spezifischer Ertrag | Anteil am Jahresertrag |
|---|---|---|
| März | ~95 kWh/kWp | ~9 % |
| April | ~125 kWh/kWp | ~12 % |
| Mai | ~150 kWh/kWp | ~14 % |
| Juni | ~155 kWh/kWp | ~14,5 % |
| Juli | ~150 kWh/kWp | ~14 % |
| August | ~135 kWh/kWp | ~13 % |
| September | ~105 kWh/kWp | ~10 % |
Bei einer typischen 10-kWp-Anlage in Salzburg/Tirol sind das im Mai rund 1.500 kWh – fast genauso viel wie im Juli. Über das gesamte Sonnenhalbjahr (April–September) entstehen rund 75–80 % des kompletten Jahresertrags. Die übrigen sechs Monate teilen sich die restlichen 20–25 %.
Wenn du deine eigenen Werte mit Referenzdaten abgleichen möchtest, findest du unabhängige Standortwerte direkt im PVGIS-Tool der EU oder in der regionalen Datenbank von PV Austria.
Vier Faktoren, die im Mai für Top-Erträge zusammenkommen
Der hohe PV-Ertrag im Mai ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von vier günstigen Bedingungen, die selten so gut zusammenfallen wie im Mai.
1. Lange Tageslichtphasen. Mitte Mai liegen wir im Pinzgau und Tiroler Unterland schon bei rund 15 Sonnenstunden täglicher Tageslichtdauer. Bis zur Sommersonnenwende fehlt nur noch wenig.
2. Steiler Sonnenstand. Der Einstrahlungswinkel ist nahe am Optimum. Module mit klassischer Süd-Ausrichtung und 30–35° Neigung empfangen das Licht fast senkrecht.
3. Kühle Modultemperaturen. Tagsüber 18–22 °C Lufttemperatur sind perfekt: Genug Sonne, um Spitzenstrom zu erzeugen, aber zu kühl, um die Module ineffizient zu machen.
4. Klare Luft nach Frühjahrsregen. Maiwetter bringt häufig Regen-Sonnen-Wechsel – und nach jedem Regen ist die Atmosphäre besonders staubarm. Das erhöht die Globalstrahlung sichtbar. Dazu kommt in alpinen Lagen oft noch der Albedo-Effekt der letzten Schneefelder auf den Bergen, die zusätzliches Licht reflektieren.
So holst du den Mai-Peak voll raus
Wenn du im Mai nichts dazu beiträgst, läuft deine Anlage zwar gut – aber ein Großteil deines Stroms wandert für ein paar Cent pro kWh als Überschuss ins Netz. Genau das ist seit der Einspeisevergütungssenkung 2024 der wirtschaftliche Knackpunkt. Drei einfache Hebel:
Lastverschiebung in die Mittagsspitze. Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner, E-Auto-Ladung und Pool-Pumpe laufen idealerweise zwischen 10:00 und 16:00 Uhr. Damit verschiebst du Verbrauch genau dorthin, wo dein eigener Strom kostenlos ist.
Warmwasser laden. Wer einen Warmwasser-Controller oder Heizstabregler hat, sollte ihn jetzt auf „PV-Überschuss-Modus“ stellen. Mehr dazu im Beitrag Mehr rausholen aus deiner PV-Anlage – jetzt erst recht.
Speicher prüfen. Wenn dein Speicher im Mai täglich voll wird und du trotzdem viel einspeist, ist er wahrscheinlich zu klein dimensioniert. Gerade jetzt ist der gute Zeitpunkt, eine Erweiterung anzudenken. Details dazu in unserem Artikel Speicher 2026: Warum Nachrüsten jetzt immer attraktiver wird.
Speicher, dynamische Tarife und der Mai-Überschuss
Ein typisches Mai-Phänomen: Der Speicher ist um 11:00 Uhr voll, ab dann geht alles ins Netz. Wer nichts tut, verschenkt seinen Überschuss zum tagesschwächsten Marktpreis. Wer einen dynamischen Stromtarif wie den G’SCHEIDSTROM Tarif nutzt, kann gezielt Geräte zur Mittagszeit laufen lassen und teure Abendstunden entlasten. Wie das technisch funktioniert, haben wir im Beitrag Dynamische Stromtarife & Time-of-Use erklärt.
Noch interessanter wird es ab Oktober 2026 mit der G’SCHEIDSTROM Community: Dann kannst du deinen Mai-Überschuss direkt an Nachbarn in deiner Strom-Nachbarschaft verkaufen – mit rund +3 ct/kWh mehr als beim klassischen Einspeisetarif. Mehr dazu auf gscheidstrom.at und in unserem Artikel zur G’SCHEIDSTROM Community.
Vergleich mit deinem Monitoring: Wann stimmt etwas nicht?
Der einfachste Reality-Check: Öffne dein Monitoring (Fronius Solarweb, SolarEdge, Huawei FusionSolar oder dein Energiemanagementsystem) und vergleiche den PV-Ertrag im Mai mit den Werten der Vorjahre.
- Liegt der Wert mehr als 10 % unter dem Vorjahr ohne erkennbaren Wettergrund? → Wahrscheinlich Verschmutzung, Verschattung oder ein technischer Defekt.
- Liegt ein einzelner String deutlich unter den anderen? → Mögliches Modulproblem oder lockerer Stecker.
- Sinkt die Mittagsleistung trotz Sonne plötzlich ab? → Klassisches Anzeichen für Übertemperatur am Wechselrichter oder Drosselung.
Wenn du nicht sicher bist, wie du deine Erträge richtig liest, hilft dir unsere Photovoltaik Jahresbilanz oder eine professionelle Wartungsdiagnose. Wer den Frühjahrs-Check noch nicht gemacht hat, findet in unserem Artikel Frühlings-Check für deine PV-Anlage eine kompakte 7-Punkte-Checkliste.
Fazit
Der PV-Ertrag im Mai ist statistisch oft auf Augenhöhe mit Juni und Juli – manchmal sogar darüber. Verantwortlich dafür ist die Kombination aus langen Tagen, steilem Sonnenstand, klarer Frühlingsluft und vor allem kühlen Modultemperaturen. Wer die richtigen Verbraucher zur Mittagszeit laufen lässt, einen passend dimensionierten Speicher hat und perspektivisch an der G’SCHEIDSTROM Community teilnimmt, holt aus diesem Monat das Maximum heraus.
Wenn du Fragen zu deiner Anlage hast, einen Blick auf die Auslegung werfen lassen willst oder über eine Speicher-Erweiterung nachdenkst: Schreib uns einfach über die Kontaktseite. Wir analysieren deinen Mai-Ertrag mit dir gemeinsam.